Widerliche Zeiten Hörspiel-Serie von 1984-86

Widerliche Zeiten

Satirische Hörspiel-Serie

„Widerliche Zeiten“ ist eine in den 1980er-Jahren von Jugendlichen produzierte Independent-Hörspielserie, die für ihren anarchischen Improvisations- und Trash-Charakter bekannt ist. Die insgesamt zwölf Episoden parodieren im Stil von Klassikern wie Perry Rhodan gesellschaftliche Themen wie die Musikindustrie oder Religion. Trotz mangelnder kommerzieller Vermarktung verbreitete sich die Reihe im norddeutschen Raum schnell über Kassettenkopien und gilt rückblickend als Teil der kreativen Basis für das freie Radio.

Hier finden Sie eine Sammlung der Folgen, Begleittexte und weiterführende Links zur Serie.

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Widerliche Zeiten

TRASH

Auf dem Wega-Planeten thront das halbverfallene Schloss North Cothelstone Hole, wo die Schwestern Mathilde und Doris Newton, überkandidelt und exzentrisch, ein Dasein zwischen Buttermilchliebe und cholerischen Disputen führen. Ihre Partner Ottokar und Heinrich, gleichermaßen in dieser absurden Gegenwelt verankert, komplettieren ein Ensemble, das mit anarchischem Charme die Hörspielkunst der 1980er Jahre aufmischt.

Widerliche Zeiten ist ein trashig-improvisatorisches Kleinod, das mit Persiflage und überbordender Fantasie die Grenzen des Mediums auslotet. Die Produktion, entstanden in der Hamburger Hörspielszene zwischen 1984 und 1986, lebt von ihrer unbändigen Lust an der satirischen Übertreibung. Hier wird nicht mit Subtilität gegeizt, sondern mit einer fast greifbaren Freude am Chaos. Die Handlung, wenn man sie denn so nennen mag, ist ein kaleidoskopisches Durcheinander aus skurrilen Figuren und surrealen Konflikten, die weniger einer stringenten Dramaturgie als vielmehr einem fiebrigen Traum folgen.

Was dieses von Abe Greenbaum produzierte Werk so besonders macht, ist seine Fähigkeit, den Hörer in eine Zeit zu versetzen, in der Hörspiele noch ein Experimentierfeld für gewagte, oft anarchistische Ideen waren. Die krassen Schwestern und ihre Entourage sind nicht nur krasse Figuren, sondern Beispiele einer Ära, die sich gegen allzu glatten Stil auflehnte. Die destruktive Energie der Dialoge, gepaart mit einer erfundenen Fantasy-Welt, die das Schloss und den Wega-Planeten ätzend real erscheinen lässt, erzeugt ein 'B-Movie-Kino im Kopf', das ebenso travestie-affin wie 'strange good old Eighties' ist.

Doch „Widerliche Zeiten“ ist mehr als Nostalgie. Den Hörern bleibt nichts anderes übrig als sich auf eine trashige Welt einzulassen, die fahrlässig mit den Regeln des 'guten Geschmacks' bricht. In seiner jugendlichen Unbeholfenheit liegt eine Freiheit, die in der heutigen, Mainstream-Medienlandschaft selten geworden ist. Wer sich traut, in diese widerlichen Zeiten einzutauchen, wird belohnt mit einer Hörspielserie, die aus gutem Grund nirgendwo anders im seriösen Internet abrufbar ist und auf absehbare Zeit auch bleiben wird.

Widerliche Zeiten Hörspielserie 1984